Ich begebe mich auf die Suche nach einer Kunstsprache für das Coronavirus und die gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Kern der künstlerischen Auseinandersetzung wird dabei nicht nur die Übersetzung von biochemischen und statistischen Auswertungen (Proteinstruktur des Virus, Entwicklungskurve der Fallzahlen etc.) in charakteristische Formelemente moderner Web Art – es entsteht der „Corona-Code“.

Im Rahmen der digitalen Netzkunst und der entstehenden interaktiven Website werde ich außerdem die soziokulturellen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen aufgreifen und in die digitale Installation als Collage einfließen lassen. Hierzu verbinde ich die beiden Elemente miteinander: Der „Corona-Code“ dient als Grundlage und wird mit darstellenden Elementen, d.h. Grafiken, Bildern, Tönen, Tanz, Sprache (z.B. digitale Poesie) und Musiken (TV-Mitschnitte, aufgezeichnete Geräusche und Stimmen, charakteristische Signale und Rhythmen u.v.m.), die mit bestimmten kennzeichnenden Phasen oder Ereignissen der Pandemie assoziiert werden, erweitert zu einer komplexen, aussagekräftigen künstlerischen Collage, die sich in vielerlei Hinsicht analog zur viralen Entwicklung der Coronapandemie verhält und entwickelt.

Im Grunde genommen handelt es sich um die Übersetzung eines Virus und der Auswirkungen im Zusammenhang mit der durch ihn freigesetzten weltweiten Verbreitung in darstellende Kunstformen. Ich sehe die kreative Auseinandersetzung mit diesem aktuellen, gesellschaftspolitischen und sozialen Thema, das alle Menschen zur gleichen Zeit in einem beispiellosen Umfang beeinflusst, als ideale Aufgabe der Künste. Dank ihrer vielfältigen Sprachen vermag sie es, emotionale, assoziative, inspirative und interpretative Sinneseindrücke zu vermitteln. In dem Moment, in dem wir versuchen, Kunst zu begreifen, fragen wir auch nach ihrem Inhalt. Wir setzen uns bereits während der Wahrnehmung mit kritischen Fragen auseinander, projizieren eigenes Gedankengut und lassen es mit wahrgenommenen Impulsen zusammenkommen.

Wie gehen andere Staaten mit der Krise um? Wie verändert es Menschen? Welche Ängste werden geschürt? Wie geht die Gesellschaft mit Verschwörungstheorien um? Meinungen, Vorstellungen, Weltbilder, politische Anschauungen und persönliche Erfahrungen integrieren und vermengen sich.

In einer Zeit, in der kein Thema dominanter ist, keine Diskussion wichtiger und keine Entscheidung weitreichendere Folgen verursacht, sollten wir uns dem Virus nicht nur wissenschaftlich und gesellschaftspolitisch stellen und wir sollten uns nicht nur insoweit dem Virus kulturpolitisch widmen, indem wir Wege finden, die Künste unter besonderen Bedingungen stattfinden zu lassen. Wir sollten uns dem Virus selbst inhaltlich-künstlerisch nähern, damit wir seine Auswirkungen auf uns als Menschen besser verstehen können.